Dienstag, 23. September 2014

Die ungeschminkte Wahrheit von Sonntagen nach Partys

Mein Kopf fühlt sich an wie ein Klotz Blei. Ich habe kaum drei Stunden geschlafen und als ich mich überwinde einen kurzen Blick in den Spiegel zu werfen, bereue ich es kurz darauf zu tiefst und springe unter die Dusche. Eigentlich hätte ich heute in Aarau auf der Eisbahn trainieren sollen, so war es ausgemacht. Eigentlich soll ich in bereits 45 Minuten auf dem Bahngleis stehen, was mir meine Uhr grade erbarmungslos offenbart und eigentlich würde ich mich am liebsten wieder ins Bett verkriechen.
 Doch dass ich gestern etwas zu viel getrunken, etwas zu wenig gegessen und viel zu wenig geschlafen habe macht das Vorhaben und vor Allem dessen Umsetzung beinahe unmöglich.
Schwermütig krieche ich nass und frierend aus dem Badezimmer und stelle schockiert fest, dass mir noch genau 20 Minuten bleiben, bis mein Zug abfährt.  Also brause ich ohne Schlittschuhe und ohne Trainingsklamotten aus dem Haus, um bei der Einfahrt des Zuges festzustellen, dass ich mein Portemonnaie vergessen habe. Mist, ich kann nicht mal mehr eine Zigarette rauchen. Ist sowieso ne bescheuerte Angewohnheit – hätte nie gedacht, dass mir das mal passiert – ist doch widerlich. Ausserdem ziemlich kontraproduktiv was meinen Sport anbelangt. Die Zugfahrt geht ungewohnt schnell vorüber, was möglicherweise daran liegt, dass ich mit der rechten Wange am Fenster klebend und wahrscheinlich halb sabbernd in eine Art Trance gefallen bin und erst wieder erwache, als der Wagen zum stehen kommt. Hoffe es hat mich niemand genau betrachtet. Und wenn schon. Schlimmer kanns ja grade echt nicht werden.
Als meine Freundin mit dem Auto vor der Haltestelle in Wohlen hält und den Kofferraum öffnet und mich erwartungsvoll ansieht, versuche ich, ihr weiss zu machen, dass meine Schlittschuhe noch beim Schleifen sind und bitte sie, mir zwei Franken auszuborgen. Ich kaufe mir im Coop Pronto ein Wasser und überlege wie mein Abend verlaufen wäre, hätte ich es auch gestern dabei belassen. Ich bin schlichtweg zu verkatert und zu müde um zu trainieren, beziehungsweise war ich überhaupt zu faul in den Keller zu gehen und meine Schuhe und die Trainingshose zu suchen. Somit erzähle ich ihr eifrig, dass ich aber trotzdem mitkomme, um zuzusehen.

Sie erzählt mir, dass wir noch zwei Freundinnen und den Bruder einer weiteren abholen müssen. Andreas. Man könnte genau so gut sagen die Pest. Ein zwölfjähriger Junge mit schwerwiegendem ADS, ADHS und das mit ungefähr 10 ‚H’s, der während der ganzen Autofahrt über Waldmeister redet, obwohl er eigentlich Jägermeister meint. Ich weiss nicht, was schlimmer ist, dass wir grade über Alkohol diskutieren, obwohl mir speiübel ist oder dass dieses quasselnde Objekt nicht zu beruhigen ist. Ich wundere mich jedes mal mit welcher Überzeugung seine Mutter uns weissmachen will, dass er als Baby nicht ein einziges Mal vom Wickeltisch gefallen ist. Es könnten gut 20 mal gewesen sein. Das beste, was uns während der Reise nach Aarau dann passieren konnte ist, dass er selbst auf die glorreiche Idee gekommen ist, ‚wer kann am längsten schweigen’ zu spielen. Ich merke wie ich meine bereits bekannte Position an der Fensterscheibe wieder einnehme und einschlafe.